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Fallbeispiel – beschrieben aus der Perspektive von Herrn Schilling

Eine junge Frau – Lähmung nach Fehlbehandlung

Außerordentlich schlank, nahezu zerbrechlich stand die junge Frau vor mir. Auch ohne Ankündigung hätte ich sofort erkannt, woran sie litt: Die aufrechte Haltung konnte nicht über ihre Rückenverspannung hinweg täuschen.

Als sie auf meinem Behandlungstisch lag, konnte ich ihre Verspannungen bereits von der Tür aus mit bloßem Auge erkennen. Kaum eine Fettschicht schützte die Muskeln und Sehnen. Und die waren bei ihr außerordentlich empfindlich und bedurften einer besonders feinfühligen Massage. Glücklich schmerzfrei verließ sie meine Praxis, die Behandlung wurde noch einige Male wiederholt, und ich hörte lange nichts mehr von ihr.

Dann, an einem Montagvormittag, ein verzweifelter Anruf ihres Mannes. Er hatte seine Frau mit schweren Kreuzschmerzen in die Orthopädie des Krankenhauses gebracht. Dort wurde sie chiropraktisch behandelt, jedoch entschieden zu intensiv für ihre Konstitution. Das Ergebnis war furchtbar: Sie war von der Hüfte abwärts gelähmt!

Er wollte sie unverzüglich zu mir bringen. Natürlich sagte ich alle anderen Termine für diesen Notfall ab. Bereits nach kurzer Zeit bremste der Krankenwagen mit eingeschaltetem Martinshorn vor meiner Tür. Aber nicht nur die Patientin und ihr Mann wurden gebracht, auch 2 Ärzte mit Kamerateam kamen. Sie wollten die Behandlung filmen.

Das war mir zu viel, ich verbannte alle Gesunden ins Nebenzimmer. Die zutiefst geschockte junge Frau brauchte vor allem eine beruhigende Atmosphäre. Etwa 10 Stunden lang massierte ich sie behutsam, nur unterbrochen von kleinen Snackpausen, um bei Kräften zu bleiben. Es war eine Herausforderung und ich wollte auf keinem Fall aufgeben.

Dann der erste Erfolg, sie spürte Kribbeln in ihren Zehen. Glücklich und sehr erleichtert wuchs das Vertrauen der Patientin auf ihre Heilung. Zuversichtlich konnte ich den ersten Behandlungstag beenden.

Den folgenden Dienstag verbrachten wir ebenso lang und intensiv wie den Vortag miteinander. Das Ergebnis war lohnend: Am Abend konnte die Patientin wieder aus eigener Kraft auf ihren Beinen stehen.

Der endgültige Durchbruch kam am Mittwoch. Nach vielen Stunden schwerer Arbeit konnte meine Patientin erst ein wenig ungläubig und sehr vorsichtig, dann mit immer mehr Selbstvertrauen die ersten Gehversuche unternehmen. Sie verließ die Praxis auf ihren eigenen Beinen und ist bis heute gesund.